Lohnt sich ein Balkonkraftwerk? So findest du es heraus

Ein Balkonkraftwerk macht dich unabhängiger von steigenden Strompreisen und kann dir 100 bis 200 Euro Ersparnis im Jahr bringen. Der Umwelt erspart es im gleichen Zeitraum rund 390 Kilo CO2-Emissionen.

Die einfachen, selbst montierbaren Solaranlagen an Balkongeländern oder auf Garagendächern werden immer beliebter und zunehmend Teil des Ortsbildes in Städten und Gemeinden. Auch im E.ON Zukunftsindex 2023 beispielsweise bestätigte sich das Trend-Thema Balkon-Solaranlage: Mehr als zehn Prozent der Menschen in Wohnungen, die noch keine haben, planen demnach die Anschaffung innerhalb der kommenden zwölf Monate. 

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk auch für dich? Was kannst du damit sparen, wann rentiert es sich? Hier zeigen wir dir das Potential und eine Beispielrechnung, damit du das herausfindest.

Wie viel Ersparnis bringt ein Balkonkraftwerk?

Ein Balkonkraftwerk kann bei vernünftigen Wetter- und Montagebedingungen locker rund 600 Kilowattstunden im Jahr schaffen. Dafür würdest du deinem Stromversorger bei einem Strompreis von 35 Cent pro Kilowattstunde insgesamt 210 Euro zahlen.

Teilweise werden die Anlagen mit noch höheren Einsparpotentialen beworben. Aber da musst du genauer hinsehen, mit welchem Strompreis pro Kilowattstunde geworben wird. Gern mit 40 Cent, die man inzwischen aber eher nicht mehr zahlt. Und klar ist: Du musst du deinen kostenlosen Solarstrom direkt verbrauchen können, wenn er erzeugt wird. Und das ist tagsüber. Immer gelingt das nicht.

Verbraucht dein Haushalt von den 600 Kilowattstunden 400 selbst, sparst du 140 Euro im Jahr. Nach sechs Jahren hat sich eine Steckerfertige PV-Anlage mit 800 Euro Anschaffungskosten in dieser Beispielrechnung des Ökostromanbieters eprimo amortisiert und liefert noch viele Jahre kostenlosen Solarstrom.

Ausführliches Video darüber, ob und wann sich ein Balkonkraftwerk lohnt

Weniger CO2-Ausstoß

Für die Umwelt tust du auch etwas: Bei 600 kWh Solarstrom ergibt sich eine CO2-Reduktion von rund 390 kg pro Jahr bzw. rund 2,3 Tonnen in sechs Jahren (646g CO2-Vermeidung pro kWh gegenüber fossiler Erzeugung, Quelle: Umweltbundesamt). Auch wenn du nur 400 kWh verbrauchst. Denn der überschüssige Strom geht ins allgemeine Netz, leider halt unbezahlt.

Eine Einspeisevergütung bei Balkonkraftwerken gibt es wegen der geringen Menge angesichts der Auflagen nicht. Aber du trägst tatsächlich zur dezentralen Energieerzeugung bei.

Den Energieaufwand für seine Herstellung hat ein PV-Modul bereits nach etwa zwei Jahren amortisiert.

Wann hat sich ein Balkonkraftwerk bezahlt gemacht? (Grafik: eprimo)
Wann hat sich ein Balkonkraftwerk bezahlt gemacht? (Grafik: eprimo)

Beispielfamilie spart 117 Euro im Jahr

Auch ein Check mit dem Stecker-Solar-Simulator der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin liefert ähnliche Werte. Hier kann man einige Parameter feinjustrieren.

  • Unsere Beispielfamilie: Ein Drei-Personen-Haushalt
  • 600 Watt Balkonkraftwerk für 800 Euro
  • montiert am Balkon mit optimaler Süd-Ausrichtung
  • 70 Grad Neigungswinkel – also nicht ganz gerade, sondern etwas gekippt

Dieser Haushalt kann laut Stecker-Simulator mit seinem Balkonkraftwerk rund 117 Euro Stromkosten im Jahr sparen – bei durchschnittlichem Verbrauch. Nach sieben Jahren hat sich die Anlage amortisiert. Gut ein Siebtel seines Stromverbrauchs erzeugt dieser Haushalt mit den Solarmodulen selbst.

Onlinerechner für Balkonkraftwerke

Der Stecker-Solar-Simulator basiert laut HTW Berlin auf 1,3 Millionen Jahressimulationen, in denen verschiedene technische Parameter variiert wurden, etwa die Einbausituation oder die Modulleistung. Sie wurden mit 41 Wohnungs- und Haushaltslastprofilen zusammen gebracht.

Stecker-Solar-Simulator:
Deine Einsparung errechnen

Wann ist ein Balkonkraftwerk rentabel?

Je mehr Strom tagsüber verbraucht wird – etwa durch Homeoffice, Haushaltsgeräte oder eine Wärmepumpe – umso mehr nutzt du die Mini-PV-Anlage aus. Die Einsparung steigt und die Balkon-Solaranlage macht sich umso schneller bezahlt.

Die Amortisierungszeit eines Balkonkraftwerks hängt noch von weiteren Faktoren ab, wie z.B. Preis und Qualität der Komponenten, Strompreis und natürlich Aufstellort und Ausrichtung. Der Wirkungsgrad des Wechselrichters spielt auch eine Rolle. Hier stellen wir die besten Wechselrichter für Balkonkraftwerke vor und geben Tipps, worauf du achten solltest.

Aufgeständert im Garten, auf der Garage, am Balkon – mit den Solarmodulen ist alles ist möglich, Hauptsache kein Schatten und Ausrichtung möglichst nach Süden. Im Allgemeinen liegen die Kosten für Balkonkraftwerk Komplettsets (🛒Shop) zwischen 500 und 1000 Euro.

In einem Ein-Personen-Haushalt amortisiert sich diese Investition erst später – und lohnt sich nur, wenn die Anlage bestmöglich installiert werden kann.

Zuletzt aktualisiert am 22. Mai 2024 um 6:37 Uhr. Die angezeigten Preise können sich inzwischen geändert haben. Alle Angaben ohne Gewähr.

Ein Balkonkraftwerk an einem Holzgeländer (Bild: energieasy.de)
Ein Balkonkraftwerk an einem Holzbalkon (Bild: energieasy.de)

Welche Geräte kann ich mit einem Balkonkraftwerk betreiben?

Ein Balkonkraftwerk ist gut geeignet, um die tägliche Grundlast zu decken. Also den dauerhaften oder häufigen Stromverbrauch durch kleinere Alltagsgeräte wie WLAN-Router, Handy-Ladegerät oder Notebook. Für den Fernseher, Kühlschrank oder eine Klimaanlage auf niedriger Stufe kann der Solarstrom tagsüber auch noch reichen, aber nicht mehr für Wasserkocher, Föhn oder Herd.

Wie viel Strom verbrauchen Haushaltsgeräte? Hier eine Übersicht:

Herd: 4000 Watt
Wasserkocher: 1000 Watt
Föhn: 1000 Watt
Heizlüfter: 1000 Watt
TV: 100 Watt
Notebook: 50 Watt
Handy-Ladegerät: 5 Watt
Ladegerät Standby 0.5 Watt

Wie lange halten die PV-Module?

Photovoltaikmodule halten mehrere Jahrzehnte. 30 Jahre Lebensdauer sind kein Problem, so das PV-Netzwerk Baden-Württemberg. Mindestens 20 Jahre läuft oft die Garantie, die Hersteller für ihre Module geben. Wechselrichter halten etwa 10 Jahre durch, können aber recht einfach ausgetauscht werden.

Das PV-Netzwerk berichtet von einer der ältesten Photovoltaik-Anlagen in Deutschland. 1976 wurde sie installiert. Nach 35 Jahren lag die im Labor gemessene Leistung der Module gerade mal vier Prozent unter der Ursprungsleistung.

Beste Ausrichtung für ein Balkonkraftwerk

Balkone an der Südfassade eines Hauses sind bestens geeignet für ein Balkonkraftwerk, sie haben die beste Sonneneinstrahlung. Schaut der Balkon nach Osten oder Westen, reduziert das den Ertrag, sagt Energieberater Günter Merkel von der Verbraucherzentrale Berlin in einem RBB-Beitrag: „Das ist eben die Krux bei dieser Sache. Wenn ich eine Ost- oder Westfassade habe, da fehlt mir einfach fast die Hälfte an Energie, also an direkter Sonne, die darauf scheint.“ Mit Ost-West-Ausrichtung hast du allerdings die Sonne am Morgen und gegen Abend.

In größeren Haushalten rentabler

Ein-Personen-Haushalte verschenken viel von der erzeugten Energie: Bis zu 29 Prozent im Jahr, ergab eine Studie der Arbeitsgruppe PV-Systeme im Forschungszentrum Energie- und Gebäudetechnologie der Hochschule Rosenheim zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Bei einer vierköpfigen Familie landen hingegen nur vier Prozent des Solarstroms aus der Mini-PV-Anlage ungenutzt im allgemeinen Stromnetz.

Modul mit halber Leistung kann auch reichen

Die Rosenheimer Forscher haben die verschiedenen Szenarien mit einer 250-Watt-Anlage simuliert. Vielleicht musst du ja kein Balkonkraftwerk mit den vollen erlaubten 600 Watt betreiben, sondern nur eines mit 300 Watt und nur einem Modul? Das sind die beiden gängigen Größen, die erhältlich sind. Um das herauszufinden, solltest du deinen Stromverbrauch einfach mal messen.

Balkonkraftwerk als Sichtschutz (Bild: energieasy.de)
Balkonkraftwerk als Sichtschutz (Bild: energieasy.de)

Grundlast nachts messen

Wenn du wissen willst, was du für eine Grundlast mit Standby, Kühlschrank & Co hast, kannst du vor dem Schlafengehen einfach mal deinen Zählerstand notieren. Nach dem Aufstehen schaust du nochmal nach. Die Differenz teilst du durch die vergangenen Stunden.

Smarte Steckdosen zeigen Stromverbrauch

Den Verbrauch spezieller Geräte kannst du zudem mit smarten Steckdosen messen, die zusätzlich eine Energiemessfunktion haben, so wie der Gigaset Plug 2.0*: Er übermittelt den Verbrauch des angeschlossenen Geräts über WLAN an eine App. Checke damit einfach mal die wichtigsten Verbraucher durch. Nebeneffekt: „Stromfresser im Haushalt sind so schnell identifiziert und können entweder ausgetauscht oder umsichtiger genutzt werden“, sagt Franka Abraham, Senior Product Manager Smart Home bei Gigaset.

Später kannst du den Stecker auch zwischen dein Balkonkraftwerk und das Stromnetz schalten und so exakt die generierte Strommenge sehen. Denn der Stecker kann Stromerzeugung oder -verbrauch anzeigen.

Das ganze Jahr über Solarstrom

Die Rosenheimer Studie zeigt auch, dass über das ganze Jahr hinweg eine Wahrscheinlichkeit besteht, Strom zu verschenken. Was umgekehrt bedeutet: Die Solaranlage liefert nicht nur im Sommer sondern auch in tristeren Jahreszeiten oft mehr als genug Strom. Insbesondere zur Mittagszeit. Diesen Effekt kannst du noch steigern, wenn du Solarmodule mit mehr als 600 Watt Leistung kaufst. Die holen mehr raus aus dem vorhandenen Licht. Der Wechselrichter sorgt dafür, dass du immer im erlaubten Bereich bleibst.

Die höhere Unabhängigkeit vom Stromversorger ist natürlich ein weiterer, angenehmer Effekt. Erhöhen Anbieter wie 2022 plötzlich den Preis für die Kilowattstunde auf teils über 70 Cent – wie wie beim Autor dieses Artikels geschehen – freut man sich über die eigene Stromproduktion. Laut dem Statistischen Bundesamt sind die Energiepreise von August 2021 bis August 2022 um 35,6 Prozent gestiegen.

Lange Zeit hatten Mieter keine Möglichkeit, ihre Energiekosten durch den Einbau von Photovoltaik selbst zu reduzieren. Der Vermieter bestimmte, ob eine Photovoltaikanlage auf das Dach kam. Seit es Balkonkraftwerke gibt, sieht das anders aus. Allerdings ist die Erlaubnis des Vermieters nötig, je nach Installationsart.

Preiserhöhung des Stromversorgers (Bild: energieasy.de)
Schock-Post vom Stromversorger: Bei steigenden Strompreisen lohnt sich das Balkonkraftwerk besonders (Bild: energieasy.de)

Alternative zur Dach-PV-Anlage?

Sogar, wenn ein ganzes Dach zur Verfügung steht, kann eine Mini-PV-Anlage am Balkon, im Garten oder auf der Garage eine Alternative zu der großen Photovoltaikanlage sein. Denn auch deren Strom entsteht tagsüber. Da nutzt er dir ohne Speicherlösung aber wenig, wenn du ihn tagsüber nicht verbrauchen kannst – weil dein Elektroauto erst abends nach Feierabend geladen wird, ihr erst abends dazu kommt, die Wäsche in die Waschmaschine zu stecken, und auch Geschirrspüler, Fernseher und sonstige Geräte erst nach Einbruch der Dämmerung laufen.

Klar, bei großen PV-Anlagen bekommst du überschüssigen Strom, der ins allgemeine Netz geht, vergütet. Aber dafür kostet die Anlage auch wesentlich mehr! Überlege einfach, was du tagsüber an Grundlast hast – etwa eine Wärmepumpe. Die könnte mit einer Balkon-Solaranlage womöglich zeitweise kostenneutral laufen.

Lohnt sich ein Stromspeicher für Balkonkraftwerke?

Willst du überschüssigen Strom nicht ins Netz abgeben, sondern speichern, erhöhen sich die Investitionskosten wegen der Speicherbatterie deutlich. Deshalb haben Balkonkraftwerke in der Regel keine. Du kannst aber tatsächlich dein Balkonkraftwerk mit Speicher nachrüsten (Hier eine Übersicht und ob sich’s lohnt), zum Beispiel mit dem EcoFlow Delta 2 Max*, Anker Solix* oder dem SolarFlow von Zendure*.

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